Generationen unterscheiden sich nicht nur durch ihr Alter. Sie stehen an unterschiedlichen Stellen in der Zeit.
Die ältere Generation verfügt über Erfahrung. Sie weiß, was sich bewährt hat, kennt Grenzen und erinnert an Risiken. Aber Erfahrung legt auch fest: Wer weiß, warum etwas bisher nicht funktioniert hat, hält leichter für unmöglich, was unter neuen Bedingungen möglich geworden ist.
Die junge Generation verfügt über Offenheit. Für sie ist weniger entschieden. Sie stellt infrage, überschreitet Grenzen und sieht Möglichkeiten, die Erfahrung nicht mehr sieht. Aber ihr fehlt gerade jene Erfahrung, die Grenzen und Folgen sichtbar macht.
Zwischen beiden steht die mittlere Generation. Sie hat bereits genügend Erfahrung gesammelt, um die Wirklichkeit zu kennen, und noch genügend Zukunft vor sich, um nicht vollständig durch diese Erfahrung festgelegt zu sein.
Deshalb liegt bei ihr die Verantwortung zur Entscheidung.
Die Alten dürfen warnen. Die Jungen dürfen fordern. Die Mitte muss entscheiden.
Dafür braucht es Vertrauen. Die Älteren müssen darauf vertrauen können, dass ihre Erfahrung gehört wird, auch wenn ihr nicht gefolgt wird. Die Jungen müssen darauf vertrauen können, dass ihre Möglichkeiten ernst genommen werden, auch wenn sie nicht verwirklicht werden. Und die Mitte muss darauf vertrauen, entscheiden zu können, obwohl sie nicht sicher wissen kann, was richtig ist.
So entsteht eine intergenerationale Arbeitsteilung, die niemanden zwingt, jemand anderes zu werden. Die Alten müssen nicht jung werden und die Jungen nicht vorzeitig alt. Jede Generation darf die Stärke ihrer zeitlichen Position einbringen und ihre Begrenzung den anderen überlassen.
Die ältere Generation trägt das Gedächtnis. Die junge öffnet den Raum des Möglichen. Die mittlere übernimmt die Verantwortung für das, was jetzt geschieht.